Wollen Sie stets das Neue wissen? Mailadresse  

Suchen      

home




Islamismus

Migration

Medien

Korruption

Hintergrund

Nachrichten

Archiv





 

 Irshad Manji: Starker Toback f¸r Orthodoxe

 04.04.2004

 

Eine junge Muslimin macht den Glaubensbr¸dern und -schwestern ÑFeuer unter dem Hinternì. Muslime sollen dem wichtigsten Djihad nicht ausweichen: der Selbstkritik.
von Hildegard Becker

Dazu geh–rt Mut: Da geht eine junge Muslimin in Kanada f¸r eine gr¸ndliche Reform des Islam auf die Barrikaden. Und: Sie ist nicht einmal Theologin. In Deutschland reibt man sich die Augen. Hier m–gen zwar ein paar muslimische Frauen angepasst, behutsam und systemimmanent ein paar alte H¸te abstauben und ein bisschen was in ihrem religi–sen Umfeld ver”ndern wollen, aber doch, bittesch–n, ohne die Schwestern und Br¸der im Islam allzu sehr zu schockieren. Unter ihnen sind wohl auch einige, die sich ñ etwas groþspurig ñ ÑFeministinnenì nennen (meistens sind es denn doch eher Ñislamistische Feministinnenì), doch welche Muslima h”tte hierzulande schon die ÑChuzpeì, den eigenen Glaubensgenossen und ñgenossinnen regelrecht ÑFeuer unterm Hinternì zu machen, um es in der von Irshad Manji gern benutzten Popul”r-Sprache auszudr¸cken.

Was treibt diese aus Uganda stammende, in Kanada aufgewachsene 35-j”hrige Muslimin, ihre eigenen Leute in erfrischend salopper Sprache zu animieren, den Islam zu reformieren? Weil es alle Muslime angeht und weil es ein Islam ist, unter dem sie leidet und gegen den sie sich auflehnt. Sie bezeichnet sich als ÑMuslim-Refusenikì, eine Muslimin, die sich weigert, den Islam so zu akzeptieren, wie sie ihn vorfindet. Sie gibt ihre Religion keineswegs auf. Vielmehr k”mpft sie f¸r einen aus den ideologischen Fesseln befreiten Islam. Um das zu erreichen, proklamiert die nicht nur in Kanada bekannte Journalistin und Fernsehmoderatorin eine globale Kampagne: die ÑOperation Idschtihadì.

Muslime sollen die verloren gegangene Tradition des Ñunabh”ngigen Denkensì wieder entdecken. Und das nicht gegen den von Muslimen verteufelten Westen, sondern mit ihm. Sie ruft ihre Schwestern und Br¸der im Islam zu einer Revolution des Denkens auf. Damit sollen die Muslime selbst dem ÑStammessystem mit W¸stenmentalit”tì, welches den Islam in Ketten gelegt und den Muslimen einen Maulkorb verpasst hat, einen notwendigen Schlag versetzen, denn diese W¸stenmentalit”t hat ausgedient. Ihr schwebt ein Heer gewaltloser muslimischer St–renfriede vor, die sich endlich trauen, notwendige Fragen zu stellen ñ vor allem aber, den Koran selbst zu hinterfragen.

Wohl hat sie gelernt: Der Koran ist sakrosankt; er ist Gottes direktes Wort, das man nicht hinterfragt, das man einfach glaubt. Dennoch fragt sie: ÑUnd wenn der Koran nun nicht perfekt istì, wie stets behauptet wird? ÑWenn er von menschlichen Voreingenommenheiten durchsetzt ist?ì Ein Beispiel: Sie weist auf den ÑŸrgerì hin, den es im Paradies geben k–nnte, weil Ñlaut neuester Forschungì ein Ñmenschlicher Fehler sich in den Koran eingeschlichenì habe. Demnach k–nnen n”mlich ÑM”rtyrerì im Paradies nicht mit 70 Jungfrauen rechnen, sondern mit Rosinen. ÑWie kann sich der Koran so irren?ì fragt Irshad.

Tabubruch sondergleichen, und das von einer Frau! Und ausgerechnet von einer Lesbierin, die sich dazu bekennt und versucht, Homosexualit”t mit dem Islam auszus–hnen. Feindseligkeit, Verurteilung, Hass und Drohungen schlugen ihr entgegen, so dass sie ihr Haus sichern und sich einen Bodyguard zulegen musste. Doch das schreckt sie nicht. Sie scheint vielen Muslimen aus der Seele zu sprechen. Ihr Buch wurde ein Welterfolg, ihre Diskussionsauftritte ebenfalls.

Was sie sagt und schreibt, klingt zugespitzt. F¸r Ñorthodoxeì Muslime ist es starker Tobak ñ etwa S”tze wie diese:

ÑDie hartn”ckigste Unterdr¸ckung von Muslimen durch Muslime ist die Einkerkerung der Interpretation des Koransì.

ÑBei Muslimen herrscht eine stammesbezogene Herdenmentalit”t. Sie betrachten den Koran als ein Dokument, das zu imitieren statt zu interpretieren ist und unterdr¸cken ihre F”higkeit, eigenst”ndig zu denken.ì

ÑDie sich selbst in den Schwanz beiþende Gehirnkonditionierung verwandelt selbst die Hellsten in Dummk–pfe, und gef”hrliche noch dazu."

Der Ñgedankenlose Islamì wird getragen Ñwie eine alles verh¸llende Burka.ì

ÑDie Ehre geh–rt einem nicht allein; weicht man ab, entehrt man seine Sippe und oft auch sich selbst.

ÑIm 12. Jahrhundert eigneten sich die Muftis allm”hlich die Macht an, die Wahrheit zu bewachen.ì

Irshad Manji will, dass die Wahrheit im Islam wieder lebendig wird. Zentral daf¸r sei die Infragestellung des Korans, weil sie ein Ausscheren aus der Herde der Nachahmer signalisiere. Und vielleicht schimmert das islamische Demokratiepotenzial ja durch die Tatsache hindurch, dass der Koran keine besondere Form der Regierung vorschreibt. Nach Irshad ist es entscheidend f¸r das Gelingen der ÑOperation Idschtihadì, dass Muslime nicht l”nger dem wichtigsten aller ÑDjihadsì ausweichen: der Selbstkritik. Muslime m¸ssten ihr Selbstmitleid aufgeben und aufh–ren, die Schuld f¸r alle Fehlentwicklungen im Islam Ñdem Westenì, Ñden Imperialistenì, Ñden Judenì und ÑAmerikaì zuzuschreiben.

Besonders vehement wendet sie sich gegen den unter arabischen und anderen Muslimen verbreiteten Juden- und Israel-Hass. ÑIn Hadiths (Prophetenworte) stehen fast alle Erw”hnungen schwarzer Hunde neben abwertenden Hinweisen auf Frauen und Judenì, schreibt sie, Ñdoch nicht Muhammad ist schuld daran, sondern sp”tere Intellektuelleì. ÑWie das Konstrukt der Scharia ist die Verunglimpfung von Hunden (und Juden und Frauen) etwas frei Gew”hltes. Gott hat es nicht gew”hlt.ì Nach einem Kurzbesuch in Israel verteidigt Irshad Manji die israelische Politik gegen¸ber den Pal”stinensern in einer fragw¸rdig-einseitigen Weise. Das macht sie zwar angreifbar, doch schm”lert es nicht das, was sie vermitteln will: ÑWenn wir die Intoleranz des muslimischen Geistes umkehren wollen, m¸ssen wir die Scheuklappen abnehmen und uns fragen: Ist Israel wirklich das Monster, das wir aus ihm machen?ì

Vehement spricht Irshad Manji sich daf¸r aus, dass Nichtmuslime in aller Welt den Muslimen bei der Durchf¸hrung der Reform des Islam helfen sollten. Sie erkl”rt es f¸r destruktiv, wenn Muslime Nichtmuslimen verbieten wollen, den Koran zu interpretieren oder sich kritisch bez¸glich islamischer Vorg”nge zu ”uþern. Einen ÑNichteinmischungspakt zwischen Gruppenì h”lt sie f¸r falsch, denn es sei n–tig, einander Fragen zu stellen, auch –ffentlich. Deshalb sollen Muslime ihren Geist nicht mehr Ñvon den multikulturellen Beruhigungsmitteln bet”uben lassenì. ÑNichtmuslime tun der Welt keinen Gefallen, wenn sie den moralischen Stumm-Knopf dr¸cken, sobald Muslime den Mund aufmachen." In dieser Beziehung scheinen die Erfahrungen in Amerika denen in Europa ”hnlich zu sein.

Auch sollten Nichtmuslime sich nicht einsch¸chtern lassen, wenn allzu forsche Forderungen gestellt werden. Das sei zum Beispiel der Fall, wenn Muslime sich unangemessen ¸ber Satiren emp–ren, die vermeintlich ÑGott beleidigenì. Auch christliche Personen oder Symbole w¸rden ja nicht mit Samthandschuhen angefasst. Ein Beispiel: Amerikanische Fernsehsender brachten Werbespots mit der Frage: ÑWas w¸rde Jesus tanken?ì ñ womit
die ÷loligarchie aufs Korn genommen werden sollte. Es sei ganz nat¸rlich, Ñein Land herunterzuputzen, wenn man sich seiner M”ngel bewusst istì. F¸r so etwas bekomme keiner einen ÑTritt in den Hintern von christlichen Evangelistenì. Aber wehe wenn ¸ber Muhammad gewitzelt wird! Und ñ so Irshad Manji ñ Ñer ist nicht einmal Gott!ì


Alle Bilder sind der Webseite www.muslim-refusenik.com mit freundlicher Genehmigung von Mrs. Manji entnommen. Ihr Buch ist in Deutschland im September 2003 im Eichborn-Verlag erschienen.

Aktuelle Diskussionen zum Thema finden Sie in unserem Forum.

Tsunami - eine unglaubliche Deutung der Katastrophe 

Schaikh Dr. Abdalqadir As-Sufi, Gr¸nder der Polit-Sekte und Ñmodernen Kalifatsstaat-Bewegungì Murabitun (siehe Sicherheit-Heute Januar 2004) beschreibt in der "Islamischen Zeitung" die islamische Sicht des Ereignisses, das etwa 280.000 Menschen das Leben kostete. Von Hildegard Becker

Eine 'schweigende Mehrheit' will die kritische Islam-Debatte 

Der wichtigste Kampf findet nicht zwischen den Kulturen, sondern innerhalb der islamischen Kultur statt. Von Hildegard Becker

Ein Miteinander von Muslimen und Christen? 

 

 

 

Drei Antworten - von einer geb¸rtigen T¸rkin, von einem s”kularen Europ”er t¸rkischen Ursprungs und  von einem im Libanon geborenen Christen.

Fromm-religi–s bis extrem-militant: Muslime im Internet 

Vor alllem der politische Islam hat das Internet entdeckt. In der virtuellen Arena tummeln sich Ideologen verschiedenster Ausrichtung. Von Hildegard Becker

Gef”hrlicher Aktivist mit religi–sem Anspruch 

Er ist fromm, weltbekannt und hat noch in den letzten Wochen zum T–ten von Amerikanern im Irak aufgerufen. Seine - arabischen - Gegner werfen ihm Anstachelung zum Terrorismus vor.
Von Hildegard Becker

Die Haþprediger zum Schweigen bringen 

Hass und Gewalt zu predigen, hat nichts mit dem Islam zu tun, sagt Groþbritanniens prominentester Moslem. In einem Brief hat er alle Imame vor ÑUnheil stiftenden Elementen" gewarnt.
Von David Sapsted, Jonathan Petre und John Steele

Der Westen –ffnet ein Vakuum 













Herr Dr. Raddatz, Sie haben ein Buch geschrieben ¸ber die Frauen in der westlichen und der arabischen Welt. Hat Sie die Rolle der Frau in beiden Kulturen interessiert?

Der Einfluss der Koranschulen ist gef”hrlich 

l
 









Frau Kelek, die Terroranschl”ge haben die ÷ffentlichkeit sehr beunruhigt. M¸ssen wir mit einer wachsenden Fanatisierung der Muslime in Deutschland rechnen? Ja, sagt die Hamburger Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek.

Auch Muslime sollten den Fanatismus bek”mpfen 

Terroristische Untaten werden islamisch begr¸ndet und es gibt Moscheen, in denen der Fanatismus gepredigt wird. Sicher ist die Mehrheit der Muslime friedlich, aber sie sollten Verantwortung ¸bernehmen f¸r das, was im Namen ihrer Religion geschieht.
von Hildegard Becker

Kopftuchstreit: Wer spricht eigentlich von den Betroffenen? 

Im Streit um Toleranz und Multikulti beherrschen Verbandsparolen die –ffentliche Meinung
von Hildegard Becker

© 2003, 2004 by Jochen Denso
PHP Entwicklung durch ebiz-consult e.K.  Webhosting von ebiz-webhosting.de

Burda Direct Online Shop: Handy, Abo, Lotto, DVD..

  Arcor